Starkregen-Gefahrenkarte lesen: so deutest du die Farben richtig
Gefahrenkarten zeigen, wie tief Wasser bei bestimmten Szenarien stehen kann – nicht, ob es sicher passiert. Flusshochwasserkarten arbeiten mit Wiederkehrintervallen (HQ häufig/HQ100/HQextrem), Starkregenkarten mit „außergewöhnlich“ und „extrem“. Entscheidend ist die Wassertiefe an deiner konkreten Adresse.
Zwei Kartentypen, zwei Logiken
Beim Hochwasserrisiko unterscheidet man zwei Datenwelten:
- Flusshochwasser-Gefahrenkarten (in NRW vom LANUV) zeigen Überflutungsflächen und Wassertiefen entlang von Gewässern für verschiedene Wiederkehrintervalle.
- Starkregen-Hinweiskarten (bundesweit von der BKG) zeigen, wo sich Wasser bei intensivem Regen sammelt – auch fernab von Flüssen, in Senken und Straßenzügen.
Der Hochwasser-Check wertet beide für deine Adresse aus und ergänzt Rückstau- und Grundwasserhinweise.
Wiederkehrintervalle: was HQ100 wirklich heißt
„HQ100“ bedeutet ein Hochwasser, das statistisch im Mittel einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird – also eine jährliche Wahrscheinlichkeit von 1 %. Das ist kein „alle 100 Jahre einmal“: Zwei solche Ereignisse können auch in kurzer Folge auftreten. Übliche Stufen:
- HQ häufig (hohe Wahrscheinlichkeit, ~HQ10–20): tritt vergleichsweise oft auf.
- HQ100 (mittlere Wahrscheinlichkeit): der gängige Bemessungsfall.
- HQextrem (niedrige Wahrscheinlichkeit): seltenes, aber mögliches Extremereignis – wichtig für die Risikovorsorge.
Farben und Wassertiefen deuten
In beiden Kartentypen stehen die Farbabstufungen für Wassertiefen: helle Töne für wenige Zentimeter, dunklere für mehrere Dezimeter bis über einen Meter. Schon 20–30 cm reichen für erhebliche Schäden an Technik und Einrichtung; ab etwa 50 cm wird es für Gebäude und Menschen gefährlich. Beim Starkregen zählt zusätzlich die Fließrichtung: Liegt dein Grundstück im Sammelweg des Wassers (Hangfuß, Senke, Unterführung)?
Grenzen der Karten
Karten sind Modelle. Sie bilden nicht jedes Detail ab: kleine Bäche und Kanäle fehlen teils, der Kanalrückstau ist nicht enthalten, und die Geländeauflösung hat Grenzen. Eine Karte, die für deine Adresse „nichts“zeigt, ist deshalb keine Garantie – gerade Sturzfluten treffen oft Lagen ohne ausgewiesene Flussgefahr. Umgekehrt heißt eine rote Fläche nicht, dass jedes Gebäude gleich stark betroffen ist; Schwellen, Schutzmaßnahmen und die genaue Höhenlage entscheiden mit.
Von der Karte zur Maßnahme
Lies aus der Karte ab: Welche Gefahr dominiert (Fluss, Starkregen)? Welche Wassertiefe ist plausibel? Daraus folgt die Priorität – von Schwellen und mobilem Schutz bei geringen Tiefen bis zu baulichen Maßnahmen und angepasster Nutzung bei hohen Tiefen (siehe Kellerschutz). Und sie ist ein starkes Argument für den Elementarbaustein.
Wo du die Karten für NRW findest
Die amtlichen Karten sind offen zugänglich:
- Flusshochwasser: die Hochwassergefahren- und Risikokarten des Landes (LANUV/Flussgebiete NRW).
- Starkregen: die bundesweite Hinweiskarte der BKG sowie kommunale Starkregengefahrenkarten, die viele NRW-Städte bereitstellen.
- Aktuelle Lage: Pegel und Warnungen gebündelt auf Hochwasser NRW aktuell.
Der Hochwasser-Check fragt diese Quellen für deine Adresse automatisch ab und übersetzt die Karteninhalte in einen verständlichen Risiko-Score mit konkreten Maßnahmen – inklusive Rückstau und Grundwasser, die in den Gefahrenkarten gar nicht enthalten sind.
Häufige Fragen
Mein Haus liegt außerhalb jeder farbigen Fläche – bin ich sicher?
Nicht zwingend. Starkregen-Sturzfluten treffen oft Lagen ohne ausgewiesene Flussgefahr, und Karten haben Auflösungsgrenzen. Der adressgenaue Check berücksichtigt zusätzlich Gelände, Rückstau und Grundwasser.
Bedeutet HQ100, dass die nächsten 100 Jahre Ruhe ist?
Nein. HQ100 ist eine jährliche Wahrscheinlichkeit von 1 %. Solche Ereignisse können auch in kurzer Folge auftreten.
Wie ist die Lage an deiner Adresse? Der kostenlose Check bewertet Flusshochwasser, Starkregen, Rückstau und Grundwasser – mit konkreten Schutzmaßnahmen samt Kostenrahmen.